Spinnmilben

Die Spinnmilben (Tetranychidae) sind eine Familie innerhalb der Spinnentiere und werden von Biologen den Milben (Acari) zugeordnet. Sie kommen weltweit vor und bisher wurden schon über 1200 verschiedene Spinnmilben-Arten entdeckt und beschrieben. In Deutschland sind sie vor allem als bedeutende Pflanzenschädlinge bekannt, da sie sich von deren Pflanzensaft ernähren. So können diese kleinen Spinnentiere nicht nur für den Hobbygärtner in Haus und Garten zum Ärgernis werden, sondern auch im Gewächshaus sowie im freien Landschaftsbau enormen wirtschaftlichen Schaden anrichten.

Spinnmilben an Pflanze Symptome erkennen

Für einen Spinnmilbenbefall typische Gespinnste an Blättern und Blüte der Pflanze.

Merkmale und Vorkommen von Spinnmilben

Wie alle Spinnentiere besitzen die Spinnmilben insgesamt vier Beinpaare, Kopf- und Hinterleibsegmente sind zu einem einzigen, birnenförmigen Körper verschmolzen. Spinnmilben werden nur 0,25 bis 0,8 Millimeter groß und sind somit mit bloßem Auge nur schwer zu erkennen (die Weibchen sind hierbei etwas größer als die Männchen). Die Körperfarbe ist sehr variabel (das Farbspektrum reicht hierbei von grünlich über gelblich bis zu orangegelb und rotbraun) und nicht nur von der Art selber, sondern auch vom Alter sowie von der Ernährung der Tiere abhängig. Typisch und einheitlich ist allerdings, dass ihr Körper weichhäutig und somit lichtdurchlässig ist.

 

Weiterhin haben alle Spinnmilben besondere Mundwerkzeuge, die auf ihre parasitäre Lebensart spezialisiert sind. Zum einen besitzen sie Stechborsten, mit deren Hilfe sie bis in die äußerste Pflanzenzellschicht (so genannte Epidermis) stechen und anschließend deren Zellsaft aussaugen können. Zum anderen, und diese sind namensgebend für die Spinnmilben, haben sie weitere, spezielle Mundwerkzeuge, mit denen sie in der Lage sind sehr feine, sich schützende Gespinste an den befallenen Pflanzenteilen zu weben. Das dafür benötigte Sekret wird dabei in den Spinndrüsen an der Oberlippe (so genanntes Labrum) der Milben erzeugt. Mittels zweier Mundwerkzeuge, Kieferklaue (Chelicere) und Greifklaue (am Pedipalpus), wird aus dem proteinhaltigen Sekret ein doppelter Faden, der als Grundlage der Gespinste dient. Anhand der Fähigkeit Gespinste zu formen, kann man unter anderem zwischen den Echten Spinnmilben (Tetranychidae) und den Falschen Spinnmilben (Tenuipalpidae) unterscheiden.

Echte und falsche Spinnmilbe auf einen Blick
Echte Spinnmilben (Tetranychidae)Falsche Spinnmilben (Tenuipalpidae)
0,25 bis 0,8 mm großKleiner als 0,3 mm
Besitzen Greifklaue, bilden GespinsteBesitzen keine Greifklaue, bilden keine Gespinste
Meist Koloniebildende ArtenKeine Koloniebildung

Fast alle Spinnmilben-Arten sind Parasiten und Pflanzenschädlinge, in Deutschland tritt jedoch mit Abstand am häufigsten die Gemeine Spinnmilbe (Tetranychus urticae) auf. Sie zählt zu den Echten Spinnmilben und kann mehr als 100 verschiedene Wirtspflanzen befallen, darunter sowohl Kultur- als auch Zierpflanzen. Zusammen mit der Obstbaumspinnmilbe werden sie auch als “Rote Spinne” bezeichnet.
Die Falschen Spinnmilben bilden keine Kolonien, bewegen sich insgesamt langsamer und können keine schützenden Gespinste weben, aufgrund dessen sind diese lange nicht so erfolgreich als Pflanzenschädlinge wie die nahe verwandten Echten Spinnmilben. Trotzdem können auch sie erheblichen Schaden vor allem in Haus und Glaskulturen anrichten. Die wohl bekannteste Falsche Spinnmilbe in Deutschland ist die Orchideenspinnmilbe.
Einige wichtige Arten und ihre bevorzugten Wirtspflanzen sind in folgender Tabelle aufgeführt.

Wichtige Spinnmilbenarten auf einen Blick
ArtBesondere EigenschaftenWirtspflanzen
Gemeine Spinnmilbe (Tetranychus urticae)- Weltweit verbreitet
- 0,4 bis 0,6 mm groß
- braungrüne bis rote Färbung
- Rückenflecken
- größte wirtschaftliche Bedeutung als Schädling
- sehr breites Wirtsspektrum
- problematische Verbreitung vor allem in Gewächshäusern
- Kartoffeln, Gurken, Erbsen, Bohnen, Apfel, Birne, Hopfen, Wein, Baumwolle, Hanf sowie viele Zierpflanzen
Obstbaumspinnmilbe (Panonychus ulmi)- 0,5 mm groß
- Weibchen sind ziegelrot gefärbt mit weißen Borsten
- betroffen sind vor allem Apfel, Birne, Pflaume, Johannisbeere und Wein
Lindenspinnmilbe (Eotetranychus tiliarium)- kleiner als 0,5 mm
- gelbe bis orangene Färbung mit roten Augen
- Linde (besonders die Winter-Linde)
- Baumstämme können komplett mit einem Gespinst überzogen werden
Orchideenspinnmilbe (Brevipalpus californicus)- gehört zu den Falschen Spinnmilben
- bildet keine Gespinste
- kleiner als 0,1 mm
- Neben Orchideen sind auch einige Zitruspflanzen betroffen

Lebensweise der Spinnmilben

Ideale Bedingungen für die Spinnmilbe herrschen bei trockenem und warmen Klima. Liegen die Temperaturen zwischen 22 und 28 Grad Celsisus vermehrt sich die Spinnmilbe besonders schnell. Liegen hingegen die Temperaturen unter 16 Grad Celsius, pflanzen sich die Spinnmilben nicht weiter fort. Feuchtigkeit und größere Niederschläge können die Populationen stark beeinträchtigen. Im Freiland suchen sie sich deshalb Witterungsgeschützte Plätze, bevor sie anfangen sich zu vermehren. Die Echten Spinnmilben schützen sich und ihre Eier zusätzlich mit Gespinsten. Man findet Spinnmilben grundsätzlich auf der Unterseite der Pflanzenblätter, erst bei einem sehr starken Befall wenden sie sich auch der Oberseite zu. Aufgrund des Witterungsschutzes und den hohen Temperaturen in Gewächshäusern sind diese ideale Lebensräume für Spinnmilben. So kommt es häufig bei Glaskulturen zu einer problemhaften Vermehrung der Pflanzenschädlinge. Hier finden die Spinnentiere auch viele geschützte Plätze abseits der Pflanzen, um zu überwintern oder sich vor dem Einsatz von Insektiziden zu schützen. Auch im Haus können Spinnmilben zu einer echten Plage werden, da sie von der niedrigen Luftfeuchtigkeit profitieren. Oftmals tritt hier der Befall nicht im Sommer, sondern im Herbst und Winter auf.

Ein weit fortgeschrittener Befall durch Spinnmilben

Ein weit fortgeschrittener Befall durch Spinnmilben.
Bildquelle: © chuc.de / fotolia.com

Spinnmilben sind sehr resistent und wahre Überlebenskünstler. Die Überwinterung der Spinnentiere übernimmt dabei in der Regel das Weibchen, welches sich hierzu schon im Spätsommer ab September zum so genannten Winterweibchen entwickelt. Diese sind meist orangerot gefärbt und suchen sich bei sinkenden Temperaturen geschützte Plätze beispielsweise im Laub oder unter Rinden. Die Winterweibchen gehen in eine Art Winterstarre und können dann ohne Probleme wochenlange Temperaturen im Minusbereich überstehen. Sobald die Temperaturen im Frühjahr wieder steigen (März, April) verlieren die Spinnmilben ihre Färbung und beginnen direkt mit der Nahrungsaufnahme (man spricht hierbei auch von der Sommerform der Spinnmilben). Alsbald kommt es zur Eiablage: Sind diese von Männchen befruchtet, entwickeln sich daraus einheitlich Weibchen, bleiben die Eier unbefruchtet, entwickeln sich daraus ausschließlich Männchen. Diese besondere Form der Fortpflanzung heißt Parthogenese.
Die Weibchen können in ihrem nur wenige Wochen währenden Leben bis zu 100 gelbliche, runde Eier legen. Diese sind nur ca. 0,1 mm groß und werden an die Unterseite der Pflanzenblätter geklebt. Nach wenigen Tagen schlüpft daraus eine 0,2 mm kleine grünliche Larve, die nur drei Beinpaare besitzt. Gefolgt wird die Larvenphase von zwei verschiedenen Nymphenstadien (Proto- sowie Deutonymphe), diese besitzen bereits vier Beinpaare wie die ausgewachsenen Spinnmilben. Nach einer letzten Ruhephase entsteht das ausgewachsene, adulte Spinnentier (so genannter Imago). Der gesamte Lebenszyklus der Spinnmilben ist stark temperaturabhängig und dauert nur zwischen 10 und 30 Tagen. Somit können die Pflanzenschädlinge bei guten Bedingungen in einem heißen Sommer mehr als sieben Generationen bilden. Bei einer solchen explosionsartigen Populationsentwicklung spricht man auch von einer Massenvermehrung. Alle Entwicklungsstadien der Spinnmilben sind Pflanzenparasitzen und können mit ihren nadelförmigen Mundwerkzeugen an den Pflanzen saugen. Bei koloniebildenden Spinnmilben sind in der Regel alle Entwicklungsstadien nebeneinander zu beobachten.

Schadbild an den Pflanzen

Die wichtigsten Symptome eines Spinnmilben-Befalls
  • Verfärbung der Blätter zu hellgrün / mattgrün
  • Gesprenkelte gelblichweiße oder silbrige Blattflecken
  • Vertrocknen der Absterben der Blätter
  • Feine Spinnfäden oder dichte Gespinste an Blättern und Trieben
  • Schlechter Allgemeinzustand der Pflanze, hohe Anfälligkeit für andere Krankheiten
  • Kümmerwuchs, Eingehen von Keim- und Setzlingen, eingerollte Blätter
Spinnmilben Gespinnste

Typisches Schadbild eines Spinnmilbenbefalls

Eine ausgewachsene Spinnmilbe kann bis zu zwanzig Stiche pro Minute in die äußerste Pflanzenzellschicht (Epidermis) vollführen. In der Regel sitzen die Pflanzenschädlinge dabei auf der geschützten Blattunterseite und stechen direkt in das so genannte Schwammparenchym der Blätter. Diese Zellschicht ist besonders reich an zuckerhaltigen Pflanzensaft. Die Pflanze leidet dabei nicht nur am Entzug von Flüssigkeit und Nährstoffen selbst, sondern auch an den hinterlassenden offenen Wunden. Normalerweise besitzen Pflanzen eine sehr dünne, schützende Wachsschicht (so genannte Cuticula), die vor Austrocknung und Infektionen schützt. Infolge des Spinnmilbenbefalls geht dieser Schutz zunehmend verloren und die geschädigten Pflanzen reagieren sofort mit einem gesteigerten Wasserbedarf und erhöhter Transpiration. Erste Anzeichen eines Befalls mit Spinnmilben sind somit eine Verfärbung der Blätter sowie die Entstehung von Blattflecken. Zunächst wirken die Blätter hellgrün, erste Blattflecken erscheinen gelblich oder silbrig gesprenkelt.

Typische Symptome Schadbild Spinnmilben Blatt

Ein von Spinnmilben befallenes Pflanzenblatt-
Bildquelle: Spinnmilben (Tetranychidae) by Maja Dumat CC BY 2.0

Bei fortschreitendem Befall vergilben die Blätter zunehmend und es treten graubraune, vertrocknete Blattflecken auf. Schließlich vertrocknen die Blätter komplett und fallen ab. Typischerweise findet man auf der Blattunterseite weißliche Häutungsreste der Spinnentiere. Die Echten Spinnmilben bilden zusätzlich bei starkem Befall deutlich sichtbare Gespinste: zunächst lediglich feine Spinnfäden auf der Unterseite der Blätter, später können ganze Triebe mit dichten Gespinsten überzogen sein. Aufgrund des Wasser- und Nährstoffmangels zeigen die Pflanzen zusätzlich oftmals verkümmerte Triebe, einen gestauchten Wuchs und eingerollte Blätter. Nicht selten kann es aufgrund des schlechten Allgemeinzustandes der Pflanzen zu Koinfektionen mit weiteren Pflanzenschädlingen kommen. Bäume können bei starkem Befall bereits im Juli vollständig entlaubt sein.